Lesermaterial nutzen, aber richtig!

Für Redaktionen ist es sehr hilfreich, kosten- und zeitsparend, wenn sie Lesermaterial nutzen können.

Lesermaterial nutzen, aber richtig!

Für Redaktionen ist es sehr hilfreich, kosten- und zeitsparend, wenn sie Lesermaterial nutzen können. Dazu zählen Kommentare, Bilder oder auch Videos, die Leser ihnen zur Verfügung stellen. Einfach weil sie gerade am Ort des Geschehens sind, persönlich betroffen sind oder Zusatzinformationen haben, die bei der Recherche weiterhelfen können. Wie kann man als Redaktion dieses Lesermaterial clever nutzen, ohne dabei Urheberrechte zu verletzen?

Welche Fomen des Lesermaterials gibt es?

a) Fakten & Kommentare

Indem Leser auf Newsseiten diskutieren, ermöglichen sie eine Beleuchtung von Themen aus unterschiedlichen Perspektiven. Das erleichtert den Journalisten die Berücksichtigung verschiedener Meinungen bzw. ein Thema objektiver zu betrachten ("Es gibt nicht nur eine Denkrichtung. Die Leser sollen sich selbst für eine entscheiden."). Aber nicht nur das Teilen von Meinungen wird durch eine Kommentarfunktion ermöglicht – sondern auch die Übermittlung von Informationen zu bestimmten Sachlagen. Beispielsweise weiß ein Ortsansässiger besser darüber Bescheid, welches neue Restaurant im leerstehenden Haus bei ihm um die Ecke eröffnet wird, als ein Journalist, der vielleicht noch nie in diesem Ort war und dort niemanden kennt.

b) Bilder

Bildmaterial zu beschaffen kann für den einzelnen Journalisten einen ziemlichen Mehraufwand bedeuten. Besonders dann, wenn er für die Erstellung eines Artikels gar nicht vor Ort sein müsste oder nicht schnell genug dort sein kann. Hier ist eine aktive Leser-Community sehr hilfreich: Leser können überall unterwegs schnell einmal das Smartphone zücken und ein Foto schießen, das im Nachhinein für einen Artikel verwendet werden kann. Bildmaterial ist aber auch im Rahmen eines interaktiven Artikels denkbar: Beispielsweise wenn die Redaktion gemeinsam mit den Lesern nach den ausgefallensten Fensterdekorationen in Stadt XY sucht. Die Leser können dann in Form eines Wettbewerbs das dekorativste Fenster fotografieren und der Redaktion als Material zur Verfügung stellen. Das schafft einen engen Austausch zwischen Leser und Redaktion und kann sich damit positiv auf die Wahrnehmung des Mediums auswirken (Authentizität, Nähe). Das wiederum bindet Communities.

c) Videos

Auch wenn amateurhafte Videos, die ein Leser mal schnell in der Fußgängerzone auf dem Weg zur Arbeit erstellt hat, nicht unbedingt in einen Artikel eingebunden werden, haben sie doch einen wertvollen Nutzen. Beispielsweise um Situationen darzustellen und Stimmungen abzubilden, von denen man sich zunächst selbst ein Bild machen müsste. Vielleicht bietet sich der Artikel aber auch zum Teilen auf den Social-Media-Kanälen an.

Was muss bei der Verwendung von Lesermaterial beachtet werden?

Redaktionen dürfen sich Lesermaterial natürlich nicht einfach so aneignen. Auch wenn sie Material zur freien Verfügung gestellt bekommen, bedeutet das nur, dass sie die Nutzungs- und Verbreitungsrechte übertragen bekommen haben. Das Urheberrecht verbleibt beim Nutzer, der das Bild oder Video hochgeladen hat. Er muss bei Veröffentlichung des Materials auch als Urheber gekennzeichnet sein. Namentlich oder mit Verlinkung auf sein Nutzerprofil.

Der Nutzer, der ein Bild hochlädt, muss ebenso bestätigen, dass er die Urheberrechte für das Material besitzt und es nicht einfach aus dem Internet heruntergeladen hat o. ä. Ansonsten sind die üblichen Richtlinien für die Verwendung von Bildmaterial zu beachten.

Warum es sich lohnt, Leser zum Mitmachen zu motivieren

Lesermaterial bringt in vielerlei Hinsicht Vorteile mit sich. Zum einen spart man als Redaktion während der Recherche und Aufbereitung für Artikel natürlich Zeit und Geld. Andererseits ist Material von Lesern eine gute Möglichkeit, verschiedene Blickwinkel zu beleuchten und Sachverhalte aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Leser, die interagieren, sind in der Regel treue Leser, die den Mehraufwand eines Kommentares nicht scheuen, sondern vielmehr Spaß daran haben, sich mit der Redaktion auszutauschen. Diese positive Wechselwirkung muss man für sich nutzen und zum aktiven Community Building verwenden. Man sollte seinen Lesern stets das Gefühl geben, für die Redaktion wichtig zu sein und etwas zur Nachrichtenseite beizutragen. Denn so ist es schließlich auch.

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